Servicebrief 1/16 – Reinventing Organizations

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Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

Das vergangene Jahr war ein Herausforderndes, das seinen Schatten und sein Licht weit voraus wirft: Krieg, Klima und Migration sind als globale Themen vielerorts direkt auch lokal erfahrbar geworden. Das hat Betroffenheit und auch viel Engagement ins Rollen gebracht und hat gezeigt, dass neue Formen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit gefragt sind, um die damit verbundenen Aufgaben fruchtbar und nachhaltig zu meistern.

Neue Formen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit bringen auch neue Herausforderungen für Organisationsentwicklung mit sich. Frederic Laloux hat uns in dieser bewegten Zeit mit seinem Buch „Reinventing Organizations“ inspiriert, die Suche nach sinnstiftenden Formen der Zusammenarbeit nicht erst am anderen Ende des Regenbogens anzusetzen. Wir haben darin vieles von dem wiedererkannt, was uns in unserer täglichen Arbeit begegnet und wofür uns einsetzen. Wir möchten einige Eckpunkte seiner Ideen mit diesem Neujahrsgruß für Sie nachzeichnen.

Nicht zuletzt erhalten Sie anbei die herzliche Einladung zu einer vielseitigen Palette von SOCIUS Fortbildungen und Veranstaltungen – etwa der Werkstatt zu Wirkungsorientierung Ende Januar, dem im April wieder beginnenden Fortbildungszyklus „gemeinnützige Organisationen entwickeln!“ oder dem jährlichen oe-tag am 27. Mai, der sich diesmal mit Sustainable Acitvism, auseinandersetzt. Und auch im Rahmen der Reihe labor & lounge laden wir Sie herzlich zum engagierten Gespräch an unseren Kaminofen nach Kreuzberg ein.

Bleiben Sie gesund und in Verbindung!

Andreas Knoth für das SOCIUS Team

 

1. Reinventing Organizations

Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit

Ideeller Hintergrund dieses lesenswerten Buches ist die Integrale Theorie, die u.a. durch Ken Wilber geprägt wurde (was, Sie kennen die Theory of Everything noch nicht?). Die Theorie beschreibt, wie sich in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins stufenhaft wechselnde Paradigmen in den unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft niederschlagen und überlagern. Laloux verfolgt diese Paradigmen (die nach dem Konzept der „Spiral Dynamics“ auf einer Farbpalette geordnet sind) durch die Linse archetypischer Organisationsformen: Beginnend mit dem Paradigma der Impulsivität, für die die Organisationsform des Clans als Archetyp steht (rot), über den Konformismus mit seinen bürokratischen Institutionen (bernsteingelb) hin zum Leistungsparadigma der modernen Unternehmen (orange) und schließlich dem Pluralismus der postmodernen Organisationen, die auf Kultur und Empowerment setzen (grün). Mit jeder Organisationsform gehen dabei neue soziotechnische Errungenschaften einher, die erfolgversprechendere Antworten auf die Herausforderungen der jeweiligen Entwicklungsstufe erlauben.

Laloux geht davon aus, dass wir uns an der Schwelle zu einer neuen Bewusstseinsstufe befinden, die er als „evolutionär“ bezeichnet und mit der Farbe grünblau („teal“) belegt. Die charakteristische Organisationsform dieser neuen Stufe zeichnet sich durch drei Errungenschaften aus:

  • Ganzheitlichkeit bedeutet, dass die Mitglieder der Organisation sich so einbringen können, dass neben ihrer Rationalität auch ihre emotionalen, intuitiven und spirituellen Anteile am Arbeitsplatz willkommen sind (letztere werden derzeit in den meisten Organisationen in das „Private“ verwiesen, wodurch wertvolle Ressourcen verlorengehen)
  • Selbstorganisation bedeutet, dass verantwortungsvolle Abstimmungsprozesse auf Augenhöhe sowohl die hierarchische Kontrolle als auch die Konsensorientierung als Entscheidungsmodus ersetzen. In größeren Strukturen ist dafür erforderlich, dass kleine Untereinheiten gebildet werden. Führungskräfte werden dann z.T. durch interne Beratungsrollen ersetzt, unterstützend wirken Trainings in lösungsorientierter Interaktion für alle Mitarbeitenden.
  • Evolutionärer Sinn bedeutet, dass alle Mitglieder der Organisation an einem offenen Prozess teilhaben, in dem sich der Zweck der Organisation und ihre strategische Ausrichtung emergent entwickeln, statt a priori planerisch festgelegt zu sein. Diese Qualität kann soweit gehen, dass Projektteams ohne Zeitplanung oder Budgets arbeiten – Jazz eben. In erster Linie erfordert dies aber eine Kultur der Sensibilität und Achtsamkeit für die Innen- und Außenwelt der Organisation.

Um diese großen Konzepte nicht vage in der Luft hängen zu lassen, unterfüttert Laloux sie mit Beschreibungen konkreter Praktiken, die einzelne zukunftsweisende Organisationen heute schon anwenden. Dazu zählen etwa der niederländische Community-Pflege Anbieter Buurtzorg, die Evangelische Schule Berlin Zentrum und auch klassische Unternehmen wie Morning Star oder Patagonia. Insbesondere diese Fallstudien und Praxisberichte machen das Buch zu einer Fundgrube für „Best Practice Shopper“ und heben es über den Sumpf der Prediger neuer Paradigmen in der Managementliteratur hinaus. Die Verbeugung vor der primären Zielgruppe jedes erfolgreichen Managementbuchs bleibt dennoch nicht aus: die oberste Erfolgsbedingung für die Neuerfindung der Organisation als selbststeuerndes System – so Laloux’ Analyse – ist das beherzte Vorangehen der „Leader“, die den sozialen Raum öffnen und gegen den Rückfall in ältere Organisationsparadigmen halten müssen.

Als ehemaliger McKinsey-Berater versteht Laloux etwas von Strategie und Vermarktung. So finden sich neben dem Buch auch diverse Vorträge auf youtube in Englisch, Französisch  und Deutsch sowie eine Online Version und ein dazugehöriges Wiki. Ein Vortragsabend mit Frederic Laloux findet am 11.1.2016 bei der Initiative Schule im Aufbruch in Berlin statt.

 

2. SOCIUS Fortbildungs-Buffet

* Visualisierungsworkshop – Das Auge denkt mit am 19.1.2016 mit Britta Loschke Kennenlernen und Ausprobieren bewährter Stilmittel wie Schriftformen, Farbeinsatz, graphischen Elementen sowie Vorlagen für Flip Charts. Link: http://blog.socius.de/das-auge-denkt-mit-visualisierungsworkshop-19-1-16/

* Fortbildungswerkstatt: Wirkungsorientiertes Monitoring und Evaluierung am 27./28.1 2016 mit Joana Ebbinghaus und Andreas Knoth Praktisches Handwerkszeug und grundlegendes Wissen zum Aufbau und zur Verbesserung interner M&E Systeme sowie  Reflexion und Austausch zur eigenen Projektarbeit. Link: http://blog.socius.de/werkstatt-wirkungsorientiertes-monitoring-und-evaluierung/ 

Fortbildungszyklus gOe! 2016 – gemeinnützige Organisationen entwickeln! am 4.-6.4.2016, 11.-13.7.2016, 14.-16.9.2016, in Naumburg/Saale mit Andreas Knoth und Nicola Kriesel. Die Lernwerkstatt bietet internen Entwickler/innen und Berater/innen Konzepte, Reflexion und praktisches Handwerkszeug für die Begleitung von OE Prozessen. Link: http://www.socius.de/index.php/deutsch/leistungen/seminare.html

* Fortbildungswerkstatt: Konsent-Moderation am 11./12. April 2016 mit Christian Rüther und Nicola Kriesel. Wirkungsvoll Besprechungen moderieren und Entscheidungen finden, die von allen getragen werden. Link: http://blog.socius.de/fortbildungswerkstatt-konsent-moderation/

* Fortbildungswerkstatt: Empathy@work am 20./21. Mai 2016 mit Ralph Piotrowski und Nicola Kriesel. Wie kann auch im Team umgesetzt werden, was wir uns von einer wertschätzenden Kommunikation für unsere persönlichen Beziehungen erhoffen? Link: http://blog.socius.de/empathie-arbeitsbeziehungen/

* oe-tag 2016 – Forum für Organisationsentwicklung: Sustainable Activism – Wie können soziale Bewegungen in ihrem nachhaltigen Wirken unterstützt werden? (Am Beispiel der Arbeit mit Geflüchteten) am 27. Mai 2016 – Zivilgesellschaftliche Initiativen können – wie etwa in der Unterstützung für Geflüchtete –hochwirksam sein. Auf dem 9. oe-tag diskutieren wir Gelingensbedingungen für die Nachhaltigkeit von Engagement und Aktivismus . Ansprechpartner*innen: Dr. Rudi Piwko und Joana Ebbinghaus Link: www.oe-tag.de

* save the date: SOCIUS metis – Forum für forschungsbasierte Beratung: Thema: „Resilienz in Teams“ am 29.4 2016 in Berlin

 

3. SOCIUS Labore (jeweils Do, 14-18h, anschließend lounge am Kamin)

21.1.2016 „Mein Jahr 2016“ – Methode zum persönlichen Rück- und Ausblick mit Penny Motley. Link: http://blog.socius.de/?p=940

18.2.2016 „Aufstellungen: Analyse von Strukturen und Konflikten“ mit Harald Weishaupt, Halle. Link: http://blog.socius.de/?p=883

 

Und noch ein letzter Hinweis auf eine lohnende Veranstaltung unserer Partner: Coaching und Spiritualität – Fachtagung der DGfC am 19./20.3.2016 in der Evangelischen Akademie Meissen Link: http://fachtagung.tscoaching.de

 

Als PDF: 2016.1_ReinventingOrganzations

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