SOCIUS Welcome Dinner

 

Nach Paris: Welcome Dinner bei SOCIUS

Das Elend der Flüchtlinge und die vielen kleinen und großen menschlichen und weltpolitischen Tragödien dahinter hatten uns bereits über die Wochen vor den Anschlägen von Paris dünnhäutig gemacht. Das sinnlose Gemetzel am 13.November drang vielleicht gerade darum umso tiefer in die Haut ein. In den Tagen danach sind sowohl Stimmen aus Frankreich als auch aus Deutschland zu hören, die in der deutschen Flüchtlingspolitik eine Mitschuld und eine Bedrohung unser aller Sicherheit sehen. Und wir im Kreise der Kolleg*innen bei SOCIUS sind uns einig: Gegen diese Logik wollen wir uns in unserer eigenen Wirklichkeitskonstruktion wehren und ihr ein anderes Zeichen entgegensetzen.

Montag, 16.11.2015: Ein Besuch in der Hector-Petersen-Oberschule, 2 Häuser von unserem Büro entfernt. Vor 10 Tagen ist die Turnhalle in eine neue „Notunterkunft (NUK)“ umgewandelt worden. Über 200 Feldbetten stehen hier eng an eng in zwei Räumen. Es gibt keine Privatsphäre, keine Waschmaschine, Dixie Toiletten vor dem Haus. Ein reiner Durchgangsort, der nicht zum Verweilen gedacht ist. Die Geflüchteten, die dort untergebracht sind, sind in der Regel noch nicht registriert und haben die Anweisung abzuwarten, bis sie irgendwann mit einem Bus zum Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) zur Registrierung gebracht werden. Eine schwierige Situation. Nichts tun dürfen, einfach nur warten, die Zeit an sich vorüber ziehen lassen, warten, dass etwas passiert. Nachts versuchen, inmitten der inneren und äußeren Unruhe der vielen Menschen, ein Auge zudrücken zu können.

In Absprache mit der Heimleiterin sind schnell zwei Familien ausgesucht. Eine oder zwei Personen, die ein wenig Englisch sprechen, sollten dabei sein, ansonsten aber genau auch Personen, die aufgrund fehlender Sprachkenntnisse wenig Chance haben, in Kontakt zu treten mit Berliner*innen.

Donnerstag, 19.11.2015. Gemeinsam mit ein paar bis dato noch unbekannten Nachbar*innen aus dem Haus holen wir zwei Familien aus der Notunterkunft ab, um mit uns einen gemeinsamen Abend in unseren Räumlichkeiten zu verbringen. „Unser neuer Koch“ Rabih  aus dem Libanon (der normalerweise die in unseren Räumen stattfindenden Fortbildungen mit seiner Kochkunst beglückt) zaubert das Buffet. Was für eine bunte Versammlung: Ein Ehepaar aus Syrien, die kleinste der beiden Töchter auf der Flucht geboren. Eine pakistanisch-russische Familie, ihre zwei Söhne, der jüngere Bruder des Mannes. Einige aus unserem SOCIUS Team mitsamt Schwiegermutter und Kindern. Beraterkolleg*innen aus Schweden, Nachbar*innen aus dem Hause. Ein Sprachgewirr aus Deutsch, English, Arabisch, Russisch und Schwedisch. Wärme breitet sich aus in unserem Büro, was nur zum Teil auf den flackernden Holzofen zurückzuführen ist, wohl aber auch auf die warmen Begegnungen. VigRx Plus Begegnungen auf allen Ebenen und Betroffenheit ob der persönlichen Schilderungen wechseln sich ab. Kinder spielen zusammen Auto. Herkunftsorte und ‚Fluchtrouten‘ werden mit dem Finger auf der Wandkarte verfolgt. Erlebnisse, die der Entscheidung zur Flucht vorausgingen und die Bedrohlichkeiten auf dem langen Weg mit wenig Worten zusammengefasst, können in ihrer persönlichen Bedeutung aber wohl nur erahnt werden. Das gemeinsame Credo: Begegnung, Blumen und Kerzen als Gegenentwurf zu Säbelrasseln und Kriegsrhetorik. Konkrete Hilfe konnten wir an diesem Abend (noch) nicht leisten. Aber was bleibt, ist ein Stückchen mehr Hoffnung. Hoffnung, wie gemeinsames Leben irgendwann aussehen könnte, dass als Antwort auf Chaos und Bedrohung auch Gemeinschaft entstehen kann. Und das Bild der beiden Jungs, die uns zum Abschied fröhlich zuwinken und Kusshände verteilen, als sei es ein ganz normaler Abend und eine ganz normale Kindheit.

(Joana Ebbinghaus)

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